TRiP research group

TRiP

Neue Therapieansätze – Cannabidiol

Die Behandlung von Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis ist weiterhin dadurch gekennzeichnet, dass nicht für alle Patienten eine zufriedenstellende Wirksamkeit erzielt wird und die Medikamente ein relativ deutliches Profil unerwünschter Wirkungen zeigen. Daher ist die Entwicklung wirksamerer oder zumindest besser verträglicher therapeutischer Alternativen wünschenswert.

Basierend auf den Ergebnissen zur Rolle des endogenen Cannabinoidsystems bei schizophrenen Psychosen haben wir in den vergangenen Jahren eine erste kontrollierte, doppel-blinde Untersuchung zur Wirksamkeit von Cannabidiol, einem pflanzlich vorkommenden Cannabinoid bei akuten schizophrenen Psychosen sowie eine Placebo-kontrollierte doppel-blinde Untersuchung bei erstmanifesten Patienten mit akuter Schizophrenie durchgeführt. In beiden Untersuchungen zeigte Cannabidiol eine signifikante Wirksamkeit auf psychotische Symptome im Akutstadium der Erkrankung bei einem gegenüber der aktiven Vergleichsmedikation signifikant überlegenen Profil unerwünschter Wirkungen, das mit dem von Placebo vergleichbar ist.

Obwohl diese ersten Ergebnisse optimistisch stimmen, ist die aktuelle Datenlage noch nicht geeignet, Cannabidiol als gesichertes Antipsychotikum zu bezeichnen. Diesbezüglich sind weitere, wesentlich grösser angelegte klinische Arzneimittelprüfungen notwendig.

Aktuell führen wir eine multizentrische, initial von der EU-Kommission geförderte, aktiv- und placebo-kontrollierte klinische Arzneimittelprüfung bei Patienten mit akuter Schizophrenie innerhalb der ersten drei Erkrankungsjahre (Studienakronym CBD-FEP) durch. Diese Untersuchung findet an fünf deutschen und einem dänischen Studienzentrum statt.

Darüber hinaus führen wir derzeit eine Langzeitstudie (Studienakronym CBD-ESPRIT) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Untersuchung der Wirksamkeit von Cannabidiol in der Rückfallverhütung bei frühen schizophrenen Psychosen (innerhalb der ersten sieben Erkrankungsjahre) nach Rückbildung der akuten Symptome durchführen.

Sobald weitere Ergebnisse zur Wirksamkeit von Cannabidiol bei diesen Erkrankungen vorliegen, werden wir Sie weiter informieren.

Bitte haben Sie Verständnis, dass wir in erster Linie aufgrund der unzureichenden Datenlage für eine klinische Anwendung von Cannabidiol bei psychischen Erkrankungen keine Unterstützung bei selbstständig initiierten "Therapieversuchen" mit Cannabidiol geben. Wir halten solche "Therapieversuche" für deutlich verfrüht, insbesondere bei fehlenden längerfristig angelegten Untersuchungen. Entsprechende "Empfehlungen" von dritter Seite unterstützen wir ausdrücklich nicht! Insbesondere möchten wir darauf hinweisen, dass die Mehrzahl der uns bekannten Formen von Cannabidiol, die z. B. im Internet angeboten werden, die hohen Vorgaben an arzneiliche Wirkstoffe nicht erfüllen.

Darüber hinaus sind bei einer Vielzahl von Patienten, die sich direkt oder über ihre Angehörigen an uns wenden, bereits geprüfte und zugelassene arzneitherapeutische Optionen noch bei weitem nicht ausgeschöpft.
 
Förderung:
This research is supported by the Stanley Medical Research Institute of the Theodore and Vada Stanley Foundation, USA (Grant IDs 00-093, 05T-678 and 08TGF-1257 to FML), the European Commission (EU FP7 HEALTH-F2-2010-242114 - OPTiMiSE) and the German Federal Ministry of Education and Research (BMBF – ESPRIT Network, FKZ: 01EE1407A).

Ausgewählte Publikationen
:

F. M. Leweke, J. K. Mueller, B. Lange, C. Rohleder: Therapeutic potential of cannabinoids in psychosis. Biol Psychiatry (2016) 79:604-612

C. Rohleder, J. K. Müller, B. Lange, F. M. Leweke: Cannabidiol as a potential new type of an antipsychotic. A critical review of the evidence. Front Pharmacol (2016) 7:422

F. M. Leweke, D. Piomelli, F. Pahlisch, D. Muhl, C. W. Gerth, C. Hoyer, J. Klosterkötter, M. Hellmich, D. Koethe: Cannabidiol enhances anandamide signalling and alleviates psychotic symptoms in schizophrenia.
Transl Psychiatry (2012) 2, e94

F. M. Leweke, U. Schneider, M. Radwan, E. Schmidt, H. M. Emrich: Different effects of nabilone and cannabidiol on binocular depth inversion in man. Pharmacology, Biochemistry and Behavior (2000) 66:175-181.